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Der Zug ist abgefahren

Nächster Halt, next schtop…äh…den gibt’s ja nimmer! Schaffner zieht die Notbremse. Dramen spielen sich im österreichischen Zugverkehr ab. Die Bahnhofslandschaft verändert sich unumkehrbar, unaufhaltsam und ungefragterweise. Der Wiener Südbahnhof ist Geschichte. Dieses Bauwerk von architektonischer Kunst – ein Sieg der Betonindustrie über die Vernunft, welches sich so malerisch ins Stadtbild nahe dem grauslich gewöhnlichen Schloss Belvedere einfügte, wird abgerissen. Baba sagen die Wiener, Wiederschaoun die Steirer und Pfiatdi die Kärntner. Ein Italiener verzweifelt: Stazione del sud?

Bis zur Fertigstellung des neuen, schönen, funktionalen, durchdesignten und sicher wahnsinnig teuren Wiener Hauptbahnhofs, der erstmals in der Geschichte über eine eigene U-Bahn-Anbindung verfügen wird (Die Wiener Stadtplanung funktioniert einfach), übernimmt der Bahnhof Wien Meidling die Herrschaft über die Südstrecke. Da muss dann halt alles ein bisschen schneller gehen, die ÖBB schaffen das schon, doch die Fahrgäste?

Aber wir lassen den Südbahnhof nicht einfach so dahinscheiden, wir halten Mahnwache. Für jede herausgerissene Stahlbetonplatte vergießen wir eine Träne. Ein Kärntner Freund, der während seiner Studienzeit den Südbahnhof als schönsten Ort Wiens bezeichnete, wird mich unterstützen. Warum immer nur Atomkraft, Tierfabriken, Klimawandel? Südbahnhof! (Machs gut, Südbahnhof. Eine Hassliebe findet so ihr abruptes Ende.)