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Viel Spaß für wenig Geld

Es wird Zeit den Wiener Verkehrsbetrieben Tribut zu zollen (auch dieses Wort wird in letzter Zeit inflationär verwendet, wo leben wir eigentlich?). Aja, in Wien, also ich, egal…Danke, dass ihr mich täglich sicher von A nach B bringt ohne allzuoft “schadhafter Zug” zu verwenden. Danke, dass eure Ticketpreise so niedrig (najaimmerhinhalbwegs) sind. Danke, dass die U-Bahn am Wochenende jetzt auch in der Nacht, die Nachtbusse dafür kaum mehr fahren. Danke, dass ihr mich in der U-Bahn beim Nasenbohren filmt. Danke für die Akkordeonspieler, die Viel-und-Laut-Telefonierer, die Sich-Breit-Auf-den-Sitz-Setzer und die Widerwillig-die-Füße-und-den-Rest-des-schlanken-Körpers-auf-die-Seite-Geber, wenn man sich erdreistet einen Platz zu beanspruchen.

(Wer will, darf hier aufhören.)

Im Selbstversuch habe ich mich mit der U-Bahn durch die Stadt begeben, um mein Bild von den Weana Linien für immer zu verändern.

Thaliastraße, Gürtel: Sonntag abend, es ist nicht viel los. Heute keine Gefahr in eine Bandenfehde zu geraten. Ein paar Skater schlendern gelangweilt an mir vorbei. Eine neue U6-Garnitur, fein, die riecht vielleicht noch gut. Umsteigen in Spittelau, der Bankomat geht nicht *ruhig bleiben*, runter zur U4.

Heiligenstadt, Tor zum Geldadel: Vorausschauend ganz vorne eingestiegen, eine Frau mit Kinderwagen sitzt einsam am Bahnsteig. Obwohl da nur Züge zum Aussteigen halten. Werde beim Fotografieren skeptisch beäugt. Der Bankomat funktioniert, hurra, wieder rein in die U-Bahn und auf zum Schwedenplatz. Dort drängen sich Leute, die die Rush-Hour verpasst haben und verzweifelt auf der Suche nach Ersatz sind. Erwische die einzige alte U1-Garnitur, die auf der Strecke noch fährt.

Auf dem Weg nach Leopoldau, Outskirts: Ich fahre und fahre. Ab Kaisermühlen steigt die Krocha-Nachfolger-Typen-Konzentration stark an (wie heißen die?), in Kagran nimmt sie langsam wieder ab. Eine halbe Stunde später: Aderklaaer Straße *gähn*. Ich schaffe es rauszuspringen, bevor wir in Bratislava ankommen. Bei der Rückfahrt erwische ich eine neue U1-Garnitur, die Klimaanlage funktioniert. Es hat 10°C, nein, nicht draußen. Am Stephansplatz schauen ein paar Japaner verschreckt beim Fenster herein, aussteigen am Karlsplatz. 1 Minute, schnell in die U2-Garnitur. Schaue dem Sternchen 5 Minuten beim Blinken zu, bevor wir abfahren.

Museumsquartier, Boboville: Aussteigen, Foto. 4 Minuten warten, super Intervalle, es ist Sonntag. Echt teure Fliesen hier, überlege kurz zu Fuß zur Station Volkstheater zu gehen. Aber nein! Dann Umsteigen zur U3, eine Frau mit Reisetasche blockiert breit die Rolltreppe. Was steht da? Rechts stehen. Ist anscheinend wieder salonfähig geworden. Ich bin heute zu entspannt, um ein genervtes Verzeihung! auszustoßen. Und da kommt es schon, das 16er-Blech.

Ottakring, am Rande des Schmelztiegels: Schau an, es regnet. Foto, langsam wirds fad. Es gibt auch nichts zu sehen, ein Windhund, ein Zeitungsverkäufer. Vom vielen Fahren bin ich ganz wirr im Kopf und beende den Abend mit einem komplett unwienerischen Villacher Zwickl.

(Jetzt hätte ich Bock auf Citymaut.)