Der letzte schöne Tag © Michael Glanznig (CC-BY-NC-ND)

Der letzte schöne Tag

Der Herbst macht es uns nicht leicht. Mit seiner Schönheit und seiner leicht ausklingenden Wärme schürt er in uns die Hoffnung auf eine unendliche Verlängerung des Sommers – dieser befreienden Jahreszeit. Jede Schlechtwettervorhersage kündet vom kommenden Winter – Kälteeinbruch hier, Nebel da. Wenigstens die Blätter werden bunt. Ich könnte mich mit der Aussicht auf Glitzerschnee, unendlichem Weiß, Schneemännern und -frauen, sowie Schneeballschlachten trösten, doch ich will nicht – noch nicht.

So zieht es uns hinaus in die Natur, damit uns niemand nachsagen kann, wir hätten etwas verpasst. Von der Wärme, der Sonne, den Farben und der Leichtigkeit. Die Androhung der Vergänglichkeit treibt uns zum Ausbruch aus dem so oft wiederholten Tagesgeschäft. Ist das unser Schicksal? Erst im Angesicht des Abgrundes aufzuwachen?

(So viele letzte schöne Tage wie diesen Herbst habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Jetzt, da die Grauheit des Winters langsam über das Land kriecht, wünsche ich sie mir zurück. Dabei könnte doch einfach jeder Tag ein letzter schöner Tag sein.)

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